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Ökumenische Klinikseelsorge Kaufbeuren

Impuls des Monats November 2021

„Symbol der Hoffnung“     

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich lade Sie ein mit mir über dieses Zeichen nachzudenken. Es ist das Symbol der Krankenhausseelsorge und für mich ein Symbol der Hoffnung. Es drückt sehr schön aus, was einem Menschen in seinem Leben widerfahren kann, wenn er krank geworden ist oder eine Krise erlebt.

Es fängt an mit dem abgesägten Stumpf; wie bei einem Baum, der gefällt wird und nur der Stumpf übrig bleibt.

In unserem Leben gibt es diese Erfahrungen von Abgesägt werden: eine Krankheit, ein Unfall, eine Scheidung aber auch der Tod.

Im Krankenhaus begegnen mir solche Menschen, die sich wie ein abgesägter Stumpf fühlen: Kraftlos, ohne Hoffnung, wie abgestorben. Wie kann ich nun den Stumpf versorgen und pflegen, so dass die Trauer heraus kann und Tränen fließen können? Ich versuche da zu sein, in Kontakt zu kommen, zuzuhören und die Tränen über die Schmerzen und das Schwere, zusammen mit dem Patienten, auszuhalten.

Dann kommt eine Zeit, die Geduld braucht. Nichts scheint zu passieren. Aber doch geht es weiter. Auf unserem Bild ist es zu sehen: am Baumstrumpf treibt ein neuer Zweig zu einer wunderschönen Blüte. Auf einmal ist wieder Leben da. Man sieht wieder, dass die Sonne scheint. Das Essen fängt wieder an zu schmecken. Hoffnung keimt. Die Kraft kommt zurück, langsam nur, aber spürbar. Neues Leben wird spürbar - oft ein zweites Leben. Und zu der Freude über dieses Geschenk kommen vielen Menschen wieder die Tränen, immer noch aus Trauer darüber, dass das Alte sterben musste. Aber auch dieser Abschied gehört zum Entstehen von etwas Neuem. Und manchmal bekommt man diese Erfahrung von Absterben und Neu-Erblühen nicht auf eine Reihe. Trauer und Freude sind wie Gegensätze, die nicht zusammenpassen.

Unser Zeichen mit dem abgesägten Stumpf und dem neuen Zweig, wird durch eine äußere Linie in Form eines Kreuzes zusammengehalten. Dieses christliche Symbol des Kreuzes drückt aus, dass Einer - Jesus Christus - beide Erfahrungen gemacht hat: Sterben und neu Leben und daran nicht zerbrochen ist.

Dieses Kreuz, das beide Erfahrungen zusammenhält, ist das Zeichen der Hoffnung, dass es Einen gibt, der dafür sorgt, dass wir nicht auseinanderfallen, sondern „gut beieinander“ sind.

Das wünsch Ihnen,

Ihr

Pfarrer Johannes Steiner