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Christós anésti! - Christus ist wahrhaft auferstanden

Foto privat - Osterkerze der Thomaskirche am BKH KF

Mit diesen Worten hat vor vielen Jahren mein damaliger Pfarrer die versammelte Gottesdienstbesucher:innen in der Osternacht begrüßt, „Christus ist wahrhaft auferstanden“
Das klingt zunächst wie eine einfache Nachricht, denn wir feiern dieses Fest jedes Jahr. Die Tragweite dieser Botschaft begreift nur derjenige, der die ganze zurückliegende Woche in den Blick nimmt.
Am Palmsonntag wird Jesus noch als der Sohn Davids, als der Messias begrüßt, der das Volk Israel von der Knechtschaft erlösen soll. Am Gründonnerstag setzt er beim letzten Abendmahl die Eucharistie ein und kündigt sein Leiden an. Im Garten Getsemani ahnt er wohl was ihm bevorsteht. Er erlebt im Kreis seiner Jünger eine große Einsamkeit, und spricht dennoch: „Vater nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe“. Am Freitag spürt er vor Pilatus die Gewalt der Masse der Straße, die ruft: „kreuzige ihn“. Er muss erleben, dass ein Verbrecher freigelassen wird und er ans Kreuz genagelt werden soll. Er nimmt stumm sein Todesurteil entgegen und nimmt sein Kreuz auf sich. Er trägt es hinauf zum Richtplatz nach Golgotha.
Auch hier wird er noch verspottet und verhöhnt. Als Grund für seine Hinrichtung wird auf einem Zettel am Kreuz erwähnt: „Das ist Jesus von Nazareth, der König der Juden“.
Einige sagen zu ihm: Wenn du der Sohn Gottes bist, dann steige doch herab vom Kreuz und wir werden an dich glauben. Selbst am Kreuz verspricht er dem reuigen Verbrecher, der mit ihm gekreuzigt wird: „noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein“. Das klingt in den Ohren der Umstehenden wie Hohn, und alle haben sicher den Kopf geschüttelt. Das ist doch unmöglich.
Doch, als am Ostermorgen die Frauen den versammelten Jüngern berichteten, Jesus sei ihnen begegnet, er lebe, konnten diese es am Anfang nicht glauben. Petrus und der andere Jünger liefen daraufhin zum Grab. Sie sahen und glaubten. So steht es im Evangelium. Diese Botschaft allein konnte und wollte kein vernünftiger Mensch glauben, dem Jesus nicht persönlich begegnet war. Selbst die Jünger, die mit dem Auferstandenen nach Emmaus unterwegs waren erkannten ihn lange  Zeit nicht, erst beim Brechen des Brotes ging ihnen ein Licht auf.
Ich selbst ertappe mich, dass ich herumgehe und vor mich hingrüble und erst wenn ich den Blick hebe, dann erkenne ich klar die nächsten Schritte. Und im Nachgang wird mir bewußt – da war jemand, der hat mich geführt, ich war nicht allein. Wir vertrauen oft zu sehr allein auf das was wir sehen, und blenden aus was wir spüren.
Auch Thomas wollte zuerst den Herrn berühren um glauben zu können.
Und dennoch, das Wunder ist geschehen: Christós anesti! Er ist wahrhaft auferstanden. Er hat den Tod besiegt! Das bedeutet für uns: Der Tod ist nicht das Ende, sondern das Tor zum ewigen Leben. - Das ist unser Glaube.

Marcel Rappold